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Checkliste: FI/LS-Kombination planen, dokumentieren und abnehmen I Siemens

Einleitung

Wenn Sie eine FI/LS-Kombination von Siemens in Ihre Elektroinstallation integrieren wollen, ist ein gut strukturierter Ablauf unverzichtbar. Nur mit sorgfältiger Planung, umfassender Dokumentation und einer normgerechten Abnahme stellen Sie sicher, dass die Schutzfunktion voll wirksam ist und zukünftigen Prüfanforderungen standhält. Diese Checkliste zur Planung, Dokumentation und Abnahme begleitet Sie Schritt für Schritt und hilft Ihnen, Risiken zu minimieren.

Grundlagen & Vorbereitung

Bevor Sie mit der eigentlichen Checkliste starten, klären Sie diese technischen Basisanforderungen:

  • Netzsystem / Erdungsart: TN, TT, IT — entscheidend für Schutzkonzept und Fehlerstromverhalten.
  • Bemessungsfehlerstrom (IΔn): üblicherweise 30 mA im Personenschutz; gegebenenfalls 100 mA oder 300 mA, wenn zulässig.
  • Nennstrom (In): Dauerstrom, den der FI/LS führen kann.
  • Auslösecharakteristik / Kennlinie: passend zur Laststruktur (B, C, D etc.).
  • Ausschaltvermögen (Icn): ausreichende Kurzschlussfestigkeit am Einbauort.
  • Kompatibilität mit Siemens RCBO-Modulen / Siemens-Systemlösungen.
  • Normen & Herstellervorgaben: z. B. IEC/EN 61009, Siemens-Datenblätter.

Checkliste: Planung der FI/LS-Kombination

  1. Anforderungsaufnahme: Erfassen Sie alle angeschlossenen Verbraucher, deren Lastprofile, Einschaltströme, mögliche Leckströme und Störeinflüsse (z. B. EMV, Frequenzumrichter).
  2. Lastverteilung & Phasensymmetrie: Planen Sie eine ausgewogene Belastung der Phasen und dimensionieren Sie den Neutralleiter großzügig.
  3. Dimensionierung von Siemens FI/LS: Bestimmen Sie Nennstrom, Auslösekennlinie und Fehlerstromtyp (z. B. Typ A, Typ B/allstromsensitiv).
  4. Kurzschlussstromberechnung: Ermitteln Sie den maximalen Kurzschlussstrom am Einsatzort und wählen Sie ein geeignetes Ausschaltvermögen (Icn).
  5. Wärme- und Verlustschätzung: Schätzen Sie Leistungs- und Verlustwärme der RCBOs ein und planen Sie ausreichend Abstand oder Kühlung.
  6. Gehäuse- und Einbauplanung: Legen Sie Modulplätze, Verkabelungswege und Platzabstände fest, speziell bei Verwendung von Siemens-Verteilsystemen.
  7. Selektivitätskonzept: Planen Sie, wie Ihre Siemens RCBOs mit übergeordneten Sicherungen oder FI interagieren (z. B. abgestimmte Zeitverzögerung).
  8. Beschriftung & Kodierung: Definieren Sie eindeutige Bezeichnungen für Stromkreise, Klemmen und Einbaumodule.
  9. Schalt- und Stromlaufpläne erstellen: Zeichnen Sie Strompfade, Modulzuordnungen, Reserveplätze und mögliche Erweiterungen mit ein.

Checkliste: Dokumentation während der Montage

  • Versionskontrolle der Planungsunterlagen (Datum, Version, Verantwortliche).
  • Komponentenliste: Hersteller, Typbezeichnung, Auslösewerte, Seriennummern der Siemens RCBOs.
  • Montageort & Modulposition: Dokumentieren Sie exakt, an welcher Stelle im Verteiler das Gerät sitzt.
  • Kabelführung & Querschnitte: Protokollieren Sie Leitungswege, Querschnitte, Materialien und Längen.
  • Klemmenbeschriftung & Anschlussdetails: L1, L2, N, PE usw. sowie eventuelle Brücken dokumentieren.
  • Vorher-/Nachher-Messprotokolle: Isolationswiderstands-, Schleifenwiderstands- und Erdungsmessungen.
  • Auslösezeitmessungen & Fehlerstrommessungen: Werte notieren und mit Siemens-Daten vergleichen.
  • Abweichungen & Anpassungen: Alle Modifikationen und Korrekturen schriftlich festhalten.
  • Datenblätter & Handbücher: Legen Sie die relevanten Siemens-Produktinformationen bei.
  • Abnahmevorbereitung: Halten Sie Projektinformationen, Verantwortliche und Prüferdaten bereit.

Checkliste: Abnahme & Inbetriebnahme

  1. Mechanische Kontrolle: Sichtprüfung auf saubere Montage, Zugentlastung, korrekte Modulmontage.
  2. Anschluss-Überprüfung: Stellen Sie sicher, dass Phase, Neutralleiter und Schutzleiter korrekt angeschlossen sind.
  3. Isolations- / Durchgangsmessung: Messen Sie Isolationswiderstände, PE-Durchgängigkeit und Schleifenimpedanz.
  4. FI-Funktionstest: Drücken Sie die Prüftaste („T“) und prüfen Sie, ob der FI-Teil korrekt auslöst.
  5. LS-Test bzw. Überstromtest: Simulieren Sie Überlast oder Kurzschluss (wenn möglich) und prüfen Sie das Auslöseverhalten.
  6. Auslösezeitmessung / Fehlerstrommessung: Erfassen Sie Messwerte und vergleichen Sie mit Siemens-Spezifikationen.
  7. Funktionsprüfung unter Last: Simulieren Sie typische Betriebszustände (z. B. Einschalt-, Lastwechsel) und beobachten Sie das Verhalten.
  8. Selektivitätsprüfung: Erzeugen Sie einen Fehler in einem Teilkreis und prüfen Sie, ob nur dieser abschaltet und nicht übergeordnete Schutzeinrichtungen.
  9. Temperaturkontrolle: Optional: Messen Sie Gehäusetemperaturen bei Volllast, besonders in beengter Bauweise.
  10. Abnahmeprotokoll ausfüllen: Tragen Sie alle Messergebnisse, Abweichungen, Korrekturen ein und lassen Sie das Dokument von allen Beteiligten unterzeichnen.
  11. Freigabe & Inbetriebnahme: Geben Sie die Anlage frei und übergeben Sie die Dokumentation an den Betreiber.

Besondere Tipps & Hinweise für Siemens-Installationen

  • Nutzen Sie kompatible Siemens RCBO-Serien und Modulumfänge, um konsistente Systeme zu gewährleisten.
  • Setzen Sie Montage- und Anschlussfeatures von Siemens (z. B. Push-In, einfache Klemmentechnik) gezielt zur Fehlerreduktion ein.
  • Achten Sie bei hoher Bestückungsdichte auf ausreichende Belüftung und Vermeidung von Wärmehäufung.
  • Planen Sie Reservemodule für zukünftige Erweiterungen – so sparen Sie spätere Umbauten.
  • Verwenden Sie ein zentrales Kennzeichnungssystem für Verteiler, Module, Klemmen und Stromkreise.
  • Führen Sie Zwischentests vor der finalen Abnahme durch, um kleinere Probleme früh aufzuspüren.

Struktur eines Abnahmeprotokolls (Beispielgliederung)

  1. Projektname, Standort, Datum, Referenznummer
  2. Verantwortliche (Planer, Installateur, Prüfer)
  3. Verteiler-/Gehäusedaten (Typ, Maße, Bezeichnung)
  4. Verwendete Siemens RCBOs: Hersteller, Typ, Auslösewerte, Seriennummer
  5. Messwerte: Isolationswiderstand, Schleifenwiderstand, Auslösezeiten, Fehlerströme
  6. Testergebnisse: FI-Test, LS-Test, Lastfunktionstest
  7. Temperaturmessungen / Wärmebeobachtung (optional)
  8. Abweichungen & Korrekturmaßnahmen
  9. Freigabe & Unterschriften (Installateur, Prüfer, Betreiber)

 

Fazit

Mit dieser **Checkliste zur Planung, Dokumentation und Abnahme** Ihrer Siemens FI/LS-Kombination sichern Sie eine systematische und normgerechte Umsetzung. Die korrekte Planung und Abnahme sind entscheidend für Betriebssicherheit, Nachvollziehbarkeit und langfristige Wartungsfähigkeit.


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