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Checkliste: NH-Sicherungseinsätze planen, dokumentieren und abnehmen von Siemens

Einleitung

Wenn Sie in einer industriellen Verteilanlage tätig sind, wissen Sie: NH-Sicherungseinsätze spielen eine zentrale Rolle für den Schutz vor Überlast und Kurzschluss. Gerade bei Systemen der Marke (und vergleichbaren Siemens-Produkten) ist eine strukturierte Vorgehensweise von der Planung über die Dokumentation bis zur Abnahme unerlässlich. Diese Checkliste richtet sich speziell an Fachplaner, Betreiber und Einkäufer in Ihrem Onlineshop-Umfeld und unterstützt Sie dabei, Ihre Projekte effizient und normgerecht umzusetzen.

Warum eine Checkliste für NH-Sicherungseinsätze sinnvoll ist

Im industriellen Umfeld sind NH-Sicherungseinsätze hochbeanspruchte Bauelemente im Niederspannungsverteilnetz: hohe Ströme, große Baugrößen, komplexe Einbausituationen. Eine durchdachte Checkliste hilft Ihnen, alle relevanten Parameter – Auswahl, Einbau, Dokumentation und Abnahme – systematisch zu berücksichtigen und dadurch Fehler, Mehraufwand oder unsichere Installation zu vermeiden.

Planungsphase: Auswahl- und Planungskriterien

1. Projekt- und Netzdaten erfassen

  • Ermitteln Sie die Netzparameter: Betriebsspannung (z. B. 400 V, 500 V oder 690 V AC), Kurzschlussstrom am Einbauort.
  • Analysieren Sie die zu schützende Last: Dauerstrom, Einschalt- oder Anlaufströme (z. B. bei Motoren oder Antriebssystemen).
  • Bewerten Sie die Einbausituation: Umgebungstemperatur, Belüftung des Schaltraums, Sammelschienen-Layout.
  • Legenden Sie fest, ob ein Siemens-System vorgesehen ist (z. B. NH-Sicherungseinsatz der Serie SENTRON, passende Unterteile) und bestimmen Sie Anschlussanforderungen (z. B. Leiterquerschnitt, Sammelschienenabstand). 

2. Auswahl des NH-Sicherungseinsatzes

Auf Basis der erfassten Daten wählen Sie den passenden Sicherungseinsatz. Wichtige Kriterien sind:

  • Baugröße: z. B. NH000, NH00, NH0, NH1, NH2, NH3 – abhängig von Bemessungsstrom und Einbauraum.
  • Betriebsklasse/Auslösecharakteristik: z. B. gG (Universalschutz), aM (Motorschutz) – je nach Anwendung.
  • Bemessungsstrom (In) und Bemessungsspannung (Un): Beispiel „Siemens NH3 gG 500 A 500 V AC“.
  • Ausschaltvermögen bzw. Kurzschlussbeanspruchung: Der eingesetzte Sicherungseinsatz muss das mögliche Kurzschlussniveau in Ihrer Anlage abdecken.

3. Einbau- und Montagebedingungen definieren

Auch bei bestem Produkt ist der Einbau entscheidend für Betriebssicherheit und Wartungsfreundlichkeit:

  • Anschlussart und Leiterquerschnitt: z. B. Schraub- oder Rahmenklemme, Vielfalt der Leitergrößen.
  • Sammelschienen-Mittenabstand, Platz und Modulgröße – insbesondere bei Siemens-Unterteilen zu beachten. 
  • Zugänglichkeit und Wartungsfreiheit: ausreichender Raum, sichere Handhabung.
  • Berührungsschutz, Plombierbarkeit, Beschilderung der Sicherungsgruppe.

Dokumentationsphase: Nachweis, Protokollierung & Kennzeichnung

4. Kennzeichnung und Beschriftung

Eine klare Beschriftung unterstützt Betrieb und Wartung nachhaltig:

  • Jede Sicherungseinheit (z. B. „Siemens 3NA38227 NH00 gG 100 A“) trägt Hersteller, Baugröße, Betriebsklasse, Bemessungsstrom und Einbauort.
  • Systemkomponenten wie Sicherungsunterteile, Lasttrenner und Modulbaugruppen ebenfalls eindeutig kennzeichnen.
  • Beschriftungsliste als Teil der Dokumentation – idealerweise digital verlinkt oder im Übergabeordner enthalten.

5. Prüfprotokoll und Messung

Vor Abnahme sollten folgende Prüfungen erfolgen und dokumentiert werden:

  • Kontinuität der Anschlüsse, richtige Leitungsführung und Anschlussziele.
  • Thermische Prüfung oder Infrarotmessung nach Inbetriebnahme – insbesondere bei Hauptverteilungen mit hohen Strömen.
  • Ausschaltprüfung oder Simulation: Sicherstellen, dass der NH-Sicherungseinsatz im Fehlerfall korrekt auslöst (z. B. Kurzschlussfall). 
  • Dokumentation der Umgebungsbedingungen: Temperatur, Luftzirkulation, Einbaulage – ggf. mit Temperatur-Offset-Berücksichtigung.
  • Erstellung eines Prüf- und Messprotokolls (PDF) mit Daten, Bildern und Seriennummern der eingesetzten Siemens-Produkte.

6. As-Built Dokumentation

Damit spätere Wartung, Erweiterung oder Fehlerbehebung nachvollziehbar bleiben:

  • Fotos von Einbaudetails, Anschlusslage und Seriennummern der NH-Sicherungseinsätze.
  • Einbauplan mit Sammelschienenlayout, Modulbaugruppen und Sicherungspositionen.
  • Liste aller NH-Sicherungseinsätze im Verteiler: Baugröße, Betriebsklasse, Bemessungsstrom, Funktion (z. B. Hauptabgang, Unterkreis).
  • Dokumentation von Änderungen oder Nachrüstungen mit Datum und verantwortlicher Person.

Abnahmephase: Freigabe- und Übergabeprozess

7. Funktionale Abnahme-Checkliste

Vor der Inbetriebnahme sollten Sie folgende Punkte abhaken:

  • Alle NH-Sicherungseinsätze montiert, korrekt beschriftet und zugänglich.
  • Anlage spannungsfrei, Wartungszugang frei und Schutzmaßnahmen vorhanden.
  • Berührungsschutz und Sicherheitsvorrichtungen (z. B. Modulabschottung, Trennvorrichtungen) geprüft.
  • Mechanischer Zustand: Sammelschienen, Modulbaugruppen, Unterteile – korrekt montiert und befestigt.
  • Mess- und Prüfprotokolle vorhanden, vollständig und nachvollziehbar abgelegt.
  • Dokumentation (Prüfprotokoll, As-Built, Beschriftungsliste) vollständig übergeben an Betreiber oder Wartungsteam.

8. Übergabe an Betrieb / Instandhaltung

Nach der Abnahme sollten Sie folgendes sicherstellen:

  • Übergabeordner oder digitale Plattform mit allen relevanten Unterlagen (Planunterlagen, Prüfprotokolle, Herstellerdatenblätter von Siemens).
  • Einweisung des Betriebspersonals: Bedeutung von Betriebsklasse (z. B. gG vs. aM), Wartungszyklus, Ersatzteilbestand.
  • Festlegung von Wartungs- und Prüfintervallen: Sichtprüfung, Temperaturmessung, Dokumentation der Sicherungszustände.
  • Empfehlung zur Lagerhaltung: Beispiel für Ersatzteil-Standard „Siemens NH00 gG 100 A“ sichern, damit bei Austausch schnell reagiert werden kann.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Auch bei sorgfältiger Planung und Dokumentation können Fehler auftreten – mit dieser Checkliste reduzieren Sie das Risiko deutlich:

  • Falsche Betriebsklasse gewählt: Zum Beispiel wurde eine gG-Sicherung eingesetzt, obwohl hohe Anlaufströme bei Motoren vorhanden waren → Risiko von vorzeitiger Auslösung.
  • Unzureichendes Ausschaltvermögen: Der Kurzschlussstrom im Netz wurde unterschätzt, sodass der NH-Sicherungseinsatz von Siemens für den Fehlerfall nicht geeignet war → Sicherheitsrisiko.
  • Unvollständige Dokumentation: Prüfprotokolle oder As-Built-Pläne fehlen → spätere Wartung oder Fehlerbehebung erschwert.
  • Mechanische oder Einbaufehler: Sammelschienen-Mittenabstand oder Modulgröße nicht korrekt berücksichtigt – führt zu unsicheren Verbindungen oder Montageproblemen.

Fazit

Die strukturierte Planung, umfassende Dokumentation und gewissenhafte Abnahme Ihrer NH-Sicherungseinsätze – insbesondere im Zusammenhang mit hochwertigen Systemlösungen von Siemens – ist die Grundlage für einen sicheren, nachhaltigen und normkonformen Betrieb Ihrer Industrieanlage. Verwenden Sie diese Checkliste als integratives Werkzeug von der Produktauswahl über die Montage bis zur Übergabe an Betrieb und Wartung.

Wenn Sie Unterstützung bei der Produktauswahl (z. B. Siemens NH-Sicherungseinsatz Varianten), beim Aufbau technischer Shop-Texte oder bei der Projektberatung im Bereich Industrieverteilung benötigen, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Verfügung.

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