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FI/LS-Kombination – die häufigsten 7 Fehler und wie Sie sie vermeiden von Rittal

Einleitung

Die **FI/LS-Kombination** (Fehlerstromschutz + Leitungsschutz, auch als RCBO bekannt) ist ein essenzielles Bauelement in Industrie- und Schaltanlagen. Sie kombiniert den Personenschutz durch Fehlerstromerkennung mit dem Schutz vor Überlast und Kurzschluss. Dennoch schleichen sich häufig Planungs- und Ausführungsfehler ein – insbesondere wenn Hersteller wie Rittal mit ihren Gehäuse- und Verteilerlösungen unterstützt werden sollen. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die **7 häufigsten Fehler bei FI/LS-Kombinationen** und wie Sie diese systematisch vermeiden können.

Warum eine FI/LS-Kombination sinnvoll ist

In klassischen Installationen werden Fehlerstromschutzschalter (FI) und Leitungsschutzschalter (LS) oft getrennt eingesetzt. Doch eine kombinierte Lösung bietet erhebliche Vorteile:

  • Platzersparnis im Schaltschrank oder Verteiler
  • Reduzierter Verdrahtungsaufwand
  • Klarere Zuordnung bei Auslösung – nur der fehlerhafte Stromkreis wird abgeschaltet
  • Erhöhte Betriebssicherheit durch integriertes Monitoring

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass eine FI/LS-Kombination nur dann optimal funktioniert, wenn ihre Auslegung, Installation und Auswahl fachgerecht erfolgt.

Wichtige Begriffe & Anforderungen (Stichwort: Normen & Hersteller)

Bevor wir zu den Fehlern kommen, hier ein Überblick über zentrale Begriffe und Anforderungen, die Sie kennen sollten:

  • Bemessungsfehlerstrom (IΔn): üblicherweise 30 mA im Personenschutz. In bestimmten Anwendungen auch 100 mA oder 300 mA (Brandschutz).
  • Auslösecharakteristik: B, C, D etc. – abhängig von den Einschaltströmen Ihrer Lasten.
  • Nennstrom (In): Der Strom, den der FI/LS dauerhaft führen kann.
  • Bemessungsschaltvermögen (Icn): Wie viel Kurzschlussstrom der Schalter aushält.
  • Normen: EN 61009 / IEC 61009 – gelten für FI/LS-Kombinationen (auch in Rittal-Systemen) als Anforderung an Sicherheit und Funktionalität. (Quelle: Rittal Systemausbau-Dokumentation) [oai_citation:0‡Homepage](https://www.rittal.com/imf/none/3_672/?utm_source=chatgpt.com)
  • Netzform / Netzsystem: z. B. TN-S, TT, IT – insbesondere relevant bei Auswahl und Einsatzbedingungen.

Die 7 häufigsten Fehler bei FI/LS-Kombinationen & wie Sie sie vermeiden

1. Fehler: Falsche Auswahl von Bemessungsstrom oder Auslösecharakteristik

Ein Klassiker: Wird der Nennstrom (In) zu klein gewählt, kommt es bei normalen Lastspitzen zu ungewolltem Auslösen. Ist die Auslösecharakteristik zu „weich“ gewählt (z. B. Charakteristik B bei starken Einschaltströmen), kann auch dies zu Fehlauslösungen führen.

Lösung: Ermitteln Sie die tatsächliche Last (Summe der angeschlossenen Verbraucher plus Einschaltströme), planen Sie eine Reserve ein und wählen Sie dann einen FI/LS mit passender Charakteristik (z. B. C oder D bei Motoren). Achten Sie auch auf Herstellerdatenblätter, etwa von Rittal oder gängigen FI/LS-Herstellern (Siemens, Eaton etc.).

2. Fehler: Unpassender Bemessungsfehlerstrom (IΔn)

Der häufigste Standardwert ist 30 mA für Personenschutz. In Industriebereichen mit hohen Leckströmen (z. B. durch Frequenzumrichter, Filter) kann dies zu ungewollten Auslösungen führen.

Lösung: In solchen Fällen empfiehlt sich der Einsatz von FI/LS-Geräten mit höherem Fehlerstrom (z. B. 100 mA, 300 mA) – sofern normativ zulässig. Alternativ kann bei Teilkreisen mit bekannten Leckströmen auch auf selektive Kombinationen ausgewichen werden.

3. Fehler: Vernachlässigung des Selektivitätskonzepts

Wenn FI/LS-Geräte in Reihe geschaltet werden, ist eine fehlende Selektivität eine gängige Fehlerquelle: Ein übergeordneter FI/LS löst auch bei einem Fehler in einem nachgeordneten Kreis aus, statt nur der betroffene Abschnitt.

Lösung: Nutzen Sie selektive FI/LS-Kombinationen oder kombinieren Sie Main-FI mit nachgeordneten FI (z. B. ein Haupt-FI mit 100 mA und nachgeordnete 30 mA-FI/LS). Planen Sie außerdem die Auslöseverzögerungen so, dass nur der betroffene Stromkreis abgeschaltet wird.

4. Fehler: Vernachlässigung der Lastverteilung (Phasenbelastung)

Eine ungleichmäßige Verteilung der Last auf die Phasen führt zu unerwünschten Fehlerströmen über den Neutralleiter – und damit gegebenenfalls zu Auslösungen des FI-Teils.

Lösung: Achten Sie bei der Planung darauf, Phasen möglichst gleichmäßig zu belasten und den Neutralleiter dimensioniert vorzuhalten. In Rittal-Verteilersystemen nutzen Sie modulare Lösungen, um eine übersichtliche Querverteilung zu ermöglichen.

5. Fehler: Schlechte Verdrahtung und falsche Anschlussreihenfolge

Falsch angeschlossene Leiter oder unsachgemäßes Klemmen kann dazu führen, dass der FI/LS seine Schutzfunktion nicht korrekt übernimmt. Insbesondere bei Geräten mit gemeinsamer Klemme für Neutralleiter und Phase können Fehler auftreten.

Lösung: Beachten Sie strikt die Anschlusspläne des Herstellers. Beim Einbau in Rittal-Schränke achten Sie auf ordentliche Kabeleinführung (Kabelverschraubungen, Zugentlastung) und vermeiden Sie verdrillte oder gekreuzte Leitungsführungen. Führen Sie eine Prüfung der Phasenlage und eine Mes­sung des Isolations­widerstands durch.

6. Fehler: Fehlende oder unzureichende Prüfung und Wartung

Auch die beste FI/LS-Kombination versagt, wenn sie nicht regelmäßig getestet wird. Viele Ausfälle sind auf veraltete, verschmutzte oder mechanisch beeinträchtigte Bauteile zurückzuführen.

Lösung: Implementieren Sie ein Wartungskonzept mit regelmäßiger Auslöseprüfung über die Testtaste („T“), idealerweise mindestens alle 6 Monate – besser monatlich in stark belasteten / rauen Umgebungen. (siehe Eaton FRBm4-Datenblatt) [oai_citation:1‡Eaton](https://www.eaton.com/content/dam/eaton/products/electrical-circuit-protection/circuit-breakers/xeffect-rcbo-frbm4/eaton-xeffect-frbm4-rcbo-catalog-ca003016en-en-us.pdf?utm_source=chatgpt.com) Führen Sie zusätzlich eine Dokumentation der Tests durch und tauschen Sie defekte Einheiten rechtzeitig aus.

7. Fehler: Unzureichende Dimensionierung des Kurzschluss- bzw. Ausschaltvermögens

Ein FI/LS-Schalter mit zu niedrigem Bemessungsschaltvermögen (Icn) kann im Fehlerfall versagen oder zerstört werden. Das ist gerade in industriellen Anlagen mit hohen Kurzschlussströmen besonders kritisch.

Lösung: Ermitteln Sie den maximalen Kurzschlussstrom an Ihrem Einspeisepunkt und wählen Sie eine FI/LS-Kombination mit ausreichendem Ausschaltvermögen (z. B. 6 kA, 10 kA oder mehr). Hier lohnt sich ein Blick in Hersteller-Datenblätter und ggf. Rücksprache mit einem Elektrofachplaner.

Praxisbeispiel: Rittal-Verteilerschrank mit FI/LS-Kombination

Angenommen, Sie integrieren eine FI/LS-Kombination in ein Rittal-Gehäuse (z. B. in ein VX25- oder TS-System). Achten Sie dabei besonders auf:

  • Freie Modulplätze / Blenden für Ergänzungen
  • Verguss oder Trennung von Potentialen, um induktive Kopplung zu vermeiden
  • Vermeidung von Wärmebrücken – ausreichende Belüftung und Abstandsflächen
  • Einhaltung der EMV-Anforderungen – Leitungsführung möglichst parallel, Abschirmung, Vermeidung von Schleifen

Diese Maßnahmen helfen Ihnen, die Zuverlässigkeit der FI/LS-Kombination im Rittal-System langfristig zu sichern.

Weitere Tipps & Best Practices für Ihre FI/LS-Kombination

  • Doppelte Absicherung: In kritischen Anwendungen kann der FI/LS zusätzlich durch Sicherungen oder Leitungsauslöseschutz ergänzt werden.
  • Modulare Erweiterbarkeit: Setzen Sie auf modulare Verteilerlösungen (z. B. von Rittal), sodass spätere Erweiterungen möglich sind ohne Neubau.
  • Dokumentation und Beschriftung: Jeder Stromkreis, jede FI/LS-Einheit sollte dokumentiert und beschriftet sein (Schaltpläne, Bezeichnung, Bemessungsdaten).
  • Simulation & Prüfungen im Vorfeld: Nutzen Sie Simulationssoftware oder Lastberechnung zur Ermittlung von Nennströmen und Kurzschlusswerten.
  • Ziehen Sie Experten hinzu: Besonders bei größeren Anlagen empfiehlt sich eine elektrofachkundige Planung (Elektroingenieur, Planer).

Fazit: Mit System von Anfang an sicher planen

Die FI/LS-Kombination ist eine elegante und zuverlässige Lösung für den kombinierten Schutz von Mensch und Anlage. Doch nur wenn Sie die oben beschriebenen **7 häufigsten Fehler** bewusst vermeiden – von der Auswahl über Verdrahtung bis zur Wartung – entfaltet sie ihre Stärken. Insbesondere bei Einsatz in Rittal-Verteilersystemen sollten Sie auf durchdachte Planung, saubere Installation und regelmäßige Prüfung achten.

Setzen Sie auf hochwertige Geräte, präzise Planung und ein robustes Prüf- und Wartungskonzept – und Ihre FI/LS-Kombination wird im Dauerbetrieb zur zuverlässigen Schutzkomponente in Ihrem Industrie-Elektrosystem.

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