Einleitung: Sicherheit durch präzise Verdrahtung
Die NH-Sicherungstechnik zählt zu den wichtigsten Schutzkomponenten in der industriellen Energieverteilung. Eine fehlerfreie Verdrahtung und Prüfung von NH-Sicherungseinsätzen ist entscheidend, um Kurzschlüsse, Überlastungen und Brandgefahren zu vermeiden.
In diesem Schritt-für-Schritt-Guide von Hager erfahren Sie, wie Sie NH-Sicherungseinsätze fachgerecht verdrahten, prüfen und sicher in Betrieb nehmen – inklusive praktischer Tipps zur Einhaltung relevanter VDE- und IEC-Normen.
1. Grundlagen: Aufbau und Funktion eines NH-Sicherungseinsatzes
Ein NH-Sicherungseinsatz (Niederspannungs-Hochleistungs-Sicherungseinsatz) schützt elektrische Anlagen vor thermischer Überlast und Kurzschlussströmen. Der Einsatz besteht aus:
- einem isolierenden Gehäuse,
- zwei Kontaktmessern für den Anschluss an die NH-Trenner,
- und einem Schmelzleiter, der bei Überstrom gezielt durchbrennt.
Die Hager NH-Sicherungssysteme sind für eine hohe Schaltleistung, zuverlässige Auslösecharakteristik und einfache Montage ausgelegt. Sie erfüllen die Normen IEC/EN 60269 sowie die VDE 0636 und sind ideal für Energieverteilungen in Industrie und Gebäudetechnik geeignet.
1.1 Funktionsweise im Überblick
Der Schmelzleiter im Inneren des Sicherungseinsatzes ist auf den Bemessungsstrom der Anlage abgestimmt. Bei einem Überstrom schmilzt dieser und trennt den Stromkreis. Dabei entsteht ein Lichtbogen, der durch den im Sicherungskörper enthaltenen Quarzsand sicher gelöscht wird. So wird ein kontrolliertes Abschalten gewährleistet.
2. Vorbereitung: Planung, Sicherheit und Materialauswahl
Vor Beginn der Installation sollten alle notwendigen Sicherheits- und Planungsmaßnahmen beachtet werden. Eine saubere Vorbereitung minimiert Fehler und stellt sicher, dass alle Komponenten optimal zusammenarbeiten.
2.1 Sicherheitsvorkehrungen nach VDE
- Nur an spannungsfreien Anlagen arbeiten (nach VDE 0105-100 prüfen und freischalten).
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen – z. B. isolierende Handschuhe, Schutzhelm, Gesichtsschutz.
- Verwendung von geprüftem, isoliertem Werkzeug.
- Nur originale Hager NH-Sicherungseinsätze und Halter verwenden.
2.2 Auswahl der richtigen Sicherung
Die Auswahl des richtigen NH-Sicherungseinsatzes hängt von mehreren Faktoren ab:
- Bemessungsspannung (Ue): z. B. 400 V, 500 V oder 690 V.
- Bemessungsstrom (In): passend zur Leitungsauslegung (z. B. 63 A, 100 A, 160 A).
- Auslösekennlinie: gG (Ganzbereichsschutz) oder aM (Motorschutz).
- NH-Größe: 000, 00, 1, 2 oder 3 – abhängig von der Stromstärke und Anschlussart.
3. Schritt-für-Schritt-Anleitung: NH-Sicherungseinsätze richtig verdrahten
Die nachfolgende Anleitung beschreibt die fachgerechte Verdrahtung von NH-Sicherungseinsätzen am Beispiel eines Hager-Sicherungssystems in einer industriellen Energieverteilung.
3.1 Schritt 1 – Montage des NH-Trennerhalters
Befestigen Sie den NH-Trennerhalter auf der Sammelschiene oder der vorgesehenen Tragschiene. Achten Sie auf eine exakte Ausrichtung und ausreichende Wärmeabfuhr zwischen den einzelnen Komponenten.
3.2 Schritt 2 – Vorbereitung der Leiter
Schneiden Sie die Leitungen auf die korrekte Länge zu und entfernen Sie die Isolation. Verwenden Sie passende Aderendhülsen oder Kabelschuhe, die für den maximalen Bemessungsstrom geeignet sind.
3.3 Schritt 3 – Anschluss der Leiter
Schließen Sie die Leitungen an die vorgesehenen Anschlussklemmen an. Dabei gilt:
- Die Leiter müssen fest verschraubt und ohne Aderbruch angeschlossen werden.
- Die Kontaktflächen müssen sauber und korrosionsfrei sein.
- Das Anzugsmoment gemäß Herstellerangabe (z. B. 4–5 Nm) einhalten.
3.4 Schritt 4 – Einsetzen des NH-Sicherungseinsatzes
Setzen Sie den Hager NH-Sicherungseinsatz mit einer Einsetzhilfe vorsichtig in den Halter ein. Vermeiden Sie direkten Handkontakt mit den Kontaktmessern. Der Einsatz muss vollständig in den Kontaktrahmen einrasten.
3.5 Schritt 5 – Sicht- und Funktionsprüfung
- Prüfen Sie den festen Sitz aller Verbindungen.
- Kontrollieren Sie die korrekte Phasenfolge.
- Überprüfen Sie die Beschriftung und Zuordnung der Sicherungen.
4. Prüfung nach der Verdrahtung
Nach der Installation muss die Anlage geprüft werden, um Funktion und Sicherheit zu gewährleisten. Die Prüfungen erfolgen nach VDE 0100-600 und DIN EN 60204-1.
4.1 Elektrische Prüfungen
- Isolationsmessung: Messung zwischen aktiven Leitern und PE mit 500 V DC – Ergebnis > 1 MΩ.
- Schleifenimpedanz: Überprüfung der Abschaltbedingungen nach Kurzschlussstrom.
- Durchgangsprüfung: Kontrolle der Leiter- und Schutzleiterverbindungen.
4.2 Sichtprüfung
Überprüfen Sie alle Verbindungen, Klemmen und Sicherungshalter auf:
- mechanische Beschädigungen,
- korrekten Anzug der Schrauben,
- und saubere Leitungsführung ohne Quetschungen.
4.3 Funktionsprüfung
Schalten Sie die Anlage ein und prüfen Sie die Spannungsverteilung. Achten Sie auf mögliche Erwärmungen an den Kontaktpunkten nach einigen Minuten Betrieb.
5. Typische Verdrahtungsfehler und wie Sie sie vermeiden
Auch bei erfahrenen Monteuren treten häufig dieselben Fehler auf. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Sie vermeiden sollten:
- Lose Schraubverbindungen: führen zu Kontaktwärme und potenziellen Bränden.
- Vertauschte Phasen: verursachen fehlerhafte Spannungen in Drehstromsystemen.
- Falsche Sicherungsgröße: kann zu ungewollten Auslösungen oder unzureichendem Schutz führen.
- Kein ausreichender Abstand zu benachbarten Komponenten: mindert die Wärmeabfuhr.
6. Hager NH-Sicherungssysteme: Qualität, Sicherheit und Effizienz
Die NH-Sicherungseinsätze und -systeme von Hager sind speziell für industrielle Energieverteilungen konzipiert. Sie bieten eine einfache Installation, hohe thermische Belastbarkeit und optimale Selektivität in Kombination mit Schutzschaltern und Trennern.