Einleitung
Wer in der Industrie, im Maschinenbau oder in der Gebäudeinstallation arbeitet, weiß: Sicherheit und Normenkonformität sind bei der elektrischen Installation entscheidend. Besonders bei FI/LS-Kombinationen (Fehlerstromschutzschalter mit integriertem Leitungsschutz) gelten strenge Vorschriften nach VDE, EN und IEC. In diesem Beitrag erhalten Sie einen umfassenden Normen-Überblick für FI/LS-Kombinationen – mit Fokus auf die relevanten Anforderungen und Empfehlungen für den Einsatz von Siemens-Komponenten.
Was ist eine FI/LS-Kombination?
Eine FI/LS-Kombination – oft auch als RCBO (Residual Current Circuit Breaker with Overcurrent Protection) bezeichnet – vereint zwei Schutzfunktionen in einem Gerät:
- FI-Funktion (Fehlerstromschutzschalter): schützt Menschen und Tiere vor gefährlichen Fehlerströmen.
- LS-Funktion (Leitungsschutzschalter): schützt elektrische Leitungen und Anlagen vor Überlast und Kurzschluss.
Durch die Kombination beider Schutzmechanismen in einem Gehäuse sparen Sie Platz in der Verteilung und erhöhen gleichzeitig die Selektivität und Sicherheit. Siemens bietet hier hochwertige FI/LS-Kombinationen, die die relevanten IEC-, EN- und VDE-Normen erfüllen und für eine Vielzahl industrieller Anwendungen zertifiziert sind.
Warum Normen bei FI/LS-Kombinationen entscheidend sind
Normen definieren die technischen, sicherheitstechnischen und funktionalen Anforderungen, die ein Schutzgerät erfüllen muss. Sie sorgen dafür, dass Geräte verschiedener Hersteller vergleichbar und kombinierbar sind – und dass Installation, Prüfung und Betrieb sicher und nachvollziehbar bleiben. Für Installateure, Planer und Betreiber sind diese Normen nicht nur eine Orientierung, sondern auch rechtlich bindend im Rahmen der VDE-Bestimmungen.
Die wichtigsten Normen für FI/LS-Kombinationen im Überblick
Für den normgerechten Einsatz von FI/LS-Kombinationen (z. B. von Siemens) gelten folgende Hauptnormen:
- IEC/EN 61009-1: Produktnorm für FI/LS-Kombinationen (RCBOs).
- IEC/EN 61009-2-1: Besondere Anforderungen an netzspannungsunabhängige Geräte.
- IEC/EN 60947-2: Norm für Niederspannungs-Leistungsschalter und Überstromschutzgeräte.
- DIN VDE 0100: Errichtungsnorm für elektrische Niederspannungsanlagen.
- EN/IEC 61439: Norm für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen.
Normen im Detail – was Sie wissen müssen
IEC/EN 61009-1 – Produktnorm für FI/LS-Kombinationen
Die zentrale Produktnorm legt die grundlegenden Anforderungen an RCBOs fest. Sie definiert u. a.:
- Bemessungsfehlerströme (IΔn) von 10 mA bis 300 mA.
- Nennströme (In) zwischen 6 A und 40 A, je nach Gerätetyp.
- Bemessungsabschaltvermögen (Icn) in Abhängigkeit von Netzform und Kurzschlussleistung.
- Prüfbedingungen für Temperatur, Feuchte, Vibrationsfestigkeit und Lebensdauer.
- Auslösezeiten für den Fehlerstromschutz (z. B. unter 300 ms bei 1 × IΔn).
Siemens FI/LS-Kombinationen sind gemäß dieser Norm geprüft und erfüllen sämtliche Vorgaben in Bezug auf Abschaltverhalten, Kurzschlussfestigkeit und Isolationskoordination.
IEC/EN 60947-2 – Überstromschutz und Selektivität
Diese Norm gilt primär für Leistungsschalter, wird jedoch auch für den Leitungsschutzanteil der FI/LS-Kombination angewendet. Sie regelt:
- Kurzschlussfestigkeit (Icn und Icu).
- Energiebegrenzung und Abschaltcharakteristik.
- Selektivität zwischen verschiedenen Schutzeinrichtungen.
In Siemens-Systemen ist die Abstimmung zwischen FI/LS-Kombinationen und vorgeschalteten Leitungsschutzschaltern durch entsprechende Selektivitätstabellen dokumentiert. Das gewährleistet eine sichere Staffelung und vermeidet Fehlauslösungen im Fehlerfall.
DIN VDE 0100 – Errichtung von Niederspannungsanlagen
Die VDE 0100 legt fest, wann und wo FI/LS-Kombinationen einzusetzen sind und welche technischen Voraussetzungen dabei gelten. Wichtige Teile sind:
- Teil 410: Schutz gegen elektrischen Schlag – FI-Schutz ≤ 30 mA ist in Endstromkreisen bis 32 A Pflicht.
- Teil 430: Schutz bei Überstrom – Auswahl, Bemessung und Anordnung von Leitungsschutzgeräten.
- Teil 530: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Montage, Umgebung und EMV-Einflüsse.
Für industrielle Umgebungen empfiehlt Siemens den Einsatz von allstromsensitiven FI-Typen (Typ B), insbesondere bei Frequenzumrichtern, E-Mobilitätsanwendungen oder Anlagen mit Gleichstromanteilen.
EN/IEC 61439 – Anforderungen bei Integration in Schaltschränke
Wenn FI/LS-Kombinationen in Verteilern oder Schaltschränken (z. B. von Siemens) eingesetzt werden, gelten die Anforderungen der EN/IEC 61439:
- Nachweis der thermischen Stabilität und Wärmeabfuhr.
- Einhaltung der Isolations- und Luftstrecken.
- Dokumentation der Bauart- und Routineprüfungen.
- Beachtung der IP- und IK-Schutzarten des Gehäuses.
Siemens bietet für seine Verteilersysteme und Schaltgerätekombinationen bereits geprüfte Nachweise nach EN/IEC 61439. Dadurch wird der Nachweis für Planer und Installateure erheblich erleichtert.
Praktische Umsetzung mit Siemens FI/LS-Kombinationen
Siemens RCBOs sind so konstruiert, dass sie in bestehende Systemlösungen integriert werden können – ob im 8WA-System für Installationsverteiler oder im 5SY-Programm für modulare Geräte. Durch die werkseitige Konformität mit den genannten Normen sind sie direkt einsetzbar in VDE- und IEC-konformen Installationen.
Typische Merkmale Siemens-konformer FI/LS-Kombinationen
- Fehlerstromschutz nach IEC/EN 61009 Typ A, F oder B.
- Leitungsschutz mit B- oder C-Charakteristik gemäß IEC/EN 60947-2.
- Hohe Kurzschlussfestigkeit bis 10 kA (je nach Typ).
- Kompakte Bauform mit eindeutiger Kennzeichnung der Anschlüsse.
- Kompatibilität mit Siemens-Schienensystemen und Verteilerschränken.
Checkliste: Normgerechte Installation Ihrer FI/LS-Kombination
- Überprüfen Sie die Netzform (TN, TT, IT) und wählen Sie den passenden FI-Typ (A, F oder B).
- Berechnen Sie die Kurzschlussströme und wählen Sie ein Gerät mit ausreichendem Icn.
- Beachten Sie die thermische Belastbarkeit bei Reiheneinbau (Verlustleistung, Luftzirkulation).
- Dokumentieren Sie alle Messwerte (FI-Auslösezeiten, Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz).
- Planen Sie die Selektivität zwischen FI/LS-Kombination und vorgeschalteten Schutzorganen.
- Prüfen Sie die Schutzleiterverbindung und den Anschluss gemäß Siemens-Vorgaben.
- Führen Sie eine Endprüfung nach DIN VDE 0100-600 durch.
Häufige Fehler bei der Umsetzung
- Falsche Auswahl des FI-Typs: Ein Typ A statt Typ B bei Frequenzumrichtern kann zu gefährlichen Nichtauslösungen führen.
- Unzureichende Kurzschlussfestigkeit: Icn zu niedrig für den vorhandenen Kurzschlussstrom.
- Fehlende thermische Prüfung: Zu enge Bestückung ohne ausreichende Wärmeableitung.
- Keine Dokumentation: Fehlende Messprotokolle verhindern die Abnahme.
Fazit
Die Einhaltung der relevanten VDE-, EN- und IEC-Normen ist bei der Verwendung von FI/LS-Kombinationen unerlässlich – insbesondere, wenn Sie mit hochwertigen Siemens-Komponenten arbeiten. Durch die Beachtung der Normen IEC/EN 61009, IEC/EN 60947, DIN VDE 0100 und EN/IEC 61439 stellen Sie sicher, dass Ihre Installation technisch sicher, rechtskonform und langlebig ist. Siemens unterstützt Sie dabei mit geprüften, zertifizierten und praxisgerechten Lösungen, die den Normanforderungen vollständig entsprechen.