Der selektive Hauptleitungsschutzschalter (SLS) ist ein zentrales Sicherheitselement in modernen Elektroinstallationen – besonders bei Industrie- und Gewerbeanlagen. Er schützt Leitungen und Anlagen vor Überlast oder Kurzschluss und ermöglicht eine selektive Abschaltung im Fehlerfall. Doch selbst erfahrene Elektroinstallateure machen bei der Montage oder Verdrahtung typische Fehler, die später zu Ausfällen, Brandgefahr oder Fehlabschaltungen führen können.
In diesem Fachbeitrag erfahren Sie, welche 7 häufigsten Fehler beim Einsatz eines SLS von Rittal auftreten und wie Sie diese durch fachgerechte Planung, Verdrahtung und Prüfung vermeiden.
1. Falsche Auswahl des SLS-Typs und Nennstroms
Der erste und häufigste Fehler entsteht bereits bei der Auswahl des Rittal SLS. Häufig wird ein Schalter mit zu hohem oder zu niedrigem Nennstrom gewählt. Dies kann schwerwiegende Folgen haben:
- Ein zu kleiner Nennstrom führt zu ungewollten Abschaltungen im Normalbetrieb.
- Ein zu großer Nennstrom kann den Leitungsschutz beeinträchtigen und im Fehlerfall zu Brandgefahr führen.
So vermeiden Sie den Fehler:
- Richten Sie sich nach den Vorgaben des Netzbetreibers und den technischen Anschlussbedingungen (TAB).
- Wählen Sie den SLS entsprechend der vorgesehenen Anschlussleistung (z. B. 35 A, 50 A oder 63 A).
- Verwenden Sie Rittal-kompatible Modelle und Komponenten innerhalb der Schaltschrankserie.
2. Ungeeignete Montage im Rittal-Schaltschrank
Der Einbauort und die mechanische Befestigung spielen eine entscheidende Rolle. Falsch montierte oder nicht ausreichend fixierte SLS-Schalter können bei hohen Kurzschlussströmen Schaden nehmen oder Fehlfunktionen auslösen.
Typische Fehlerquellen:
- Ungeeignete Montageposition (z. B. zu nahe an wärmeerzeugenden Komponenten).
- Fehlende oder falsche Befestigungsschrauben.
- Keine ausreichende Wärmeabfuhr im Gehäuse.
Empfehlung: Verwenden Sie die von Rittal vorgesehenen Montageplatten, Sammelschienen und Befestigungssysteme. Halten Sie Mindestabstände für Belüftung und Isolierung ein, um eine sichere Wärmeabfuhr zu gewährleisten.
3. Fehlerhafte Verdrahtung oder vertauschte Phasen
Eine häufige Ursache für Fehlfunktionen ist die falsche Verdrahtung des SLS. Vertauschte Phasen (L1, L2, L3) oder unsaubere Anschlussarbeiten führen zu Phasenfehlern, Spannungsabfällen oder Abschaltungen.
Vermeiden Sie diesen Fehler durch:
- Eindeutige Kennzeichnung der Phasen (L1 = braun, L2 = schwarz, L3 = grau).
- Verwendung passender Querschnitte und Aderendhülsen (nach VDE 0298).
- Kontrolle der Klemmen mit einem Drehmomentwerkzeug (Anzugsdrehmoment gemäß Rittal- und SLS-Herstellerangabe).
- Überprüfung der Phasenfolge vor Inbetriebnahme mit einem Drehfeldmessgerät.
4. Vernachlässigung der Selektivität mit nachgeschalteten LS-Schaltern
Ein SLS ist nur dann „selektiv“, wenn er richtig auf die nachgeschalteten Leitungsschutzschalter abgestimmt ist. Wird diese Abstimmung ignoriert, löst im Kurzschlussfall der falsche Schalter aus – oft der SLS selbst, obwohl der Fehler in einem Unterkreis liegt.
Typische Ursachen:
- Falsche Kombination von Charakteristiken (z. B. SLS E-Charakteristik mit LS C- oder D-Charakteristik ohne Koordination).
- Fehlende Prüfung der Auslösekennlinien.
So beugen Sie vor:
- Nutzen Sie Selektivitätstabellen oder Planungssoftware.
- Wählen Sie abgestimmte Rittal-Verteilerkomponenten, um optimale Koordination sicherzustellen.
- Testen Sie im Zweifel die Auslösezeiten der Schutzgeräte unter Praxisbedingungen.
5. Unzureichende Schutzleiterverbindung (PE) oder fehlender Potentialausgleich
Ein nicht oder nur teilweise angeschlossener Schutzleiter ist ein schwerwiegender Sicherheitsmangel. Er kann im Fehlerfall lebensgefährlich werden. Besonders bei Rittal-Gehäusen, die leitende Komponenten enthalten, ist der korrekte Potentialausgleich zwingend notwendig.
Fehler vermeiden durch:
- Verwendung der vorgesehenen Rittal-Erdungsbolzen und Potentialausgleichsschienen.
- Feste Verschraubung aller Schutzleiter mit Leitungsbrücken und Kennzeichnung (grün-gelb).
- Prüfung der Durchgängigkeit mit einem geeigneten Messgerät (R ≤ 1 Ω).
6. Keine Prüfung nach der Installation
Nach der Verdrahtung ist eine elektrische Prüfung Pflicht. Doch in der Praxis wird diese oft unvollständig oder gar nicht durchgeführt. Fehlende Isolations- oder Funktionsprüfungen können zu nicht entdeckten Montagefehlern führen.
Wichtige Prüfungen:
- Isolationsmessung: Zwischen aktiven Leitern und PE – Wert > 1 MΩ.
- Schutzleiterprüfung: Durchgang und Leitfähigkeit – Widerstand < 1 Ω.
- Funktionsprüfung: Auslösung und Wiedereinschaltung unter realen Bedingungen.
Tipp: Dokumentieren Sie alle Prüfergebnisse, um spätere Nachweise gegenüber dem Netzbetreiber oder Kunden zu erleichtern.
7. Unzureichende thermische Planung im Schaltschrank
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Wärmeentwicklung. SLS-Schalter erzeugen während des Betriebs Verlustwärme, die bei engen Gehäusen zu Temperaturproblemen führen kann. Ohne ausreichende Belüftung drohen vorzeitige Alterung und Fehlfunktionen.
Vermeidung durch:
- Berücksichtigung der Verlustleistung in der Schaltschrankplanung (Wärmestromberechnung).
- Einsatz von Rittal-Kühlkomponenten oder Lüftungselementen.
- Einhalten der empfohlenen Umgebungstemperaturen (meist -5 °C bis +40 °C).
Bonus-Tipp: Regelmäßige Wartung und Sichtprüfung
Auch wenn ein SLS selten betätigt wird, sollte er regelmäßig überprüft werden. Staub, Feuchtigkeit oder Vibrationen können langfristig zu Kontaktproblemen führen.
- Jährliche Sichtprüfung auf Verfärbungen oder Beschädigungen.
- Nachziehen der Klemmen mit Drehmomentschlüssel.
- Überprüfung der Kennzeichnung und Plombierung (falls vom Netzbetreiber gefordert).
Checkliste: So vermeiden Sie Fehler beim Rittal SLS
- ✅ Richtigen Nennstrom und Schaltertyp wählen.
- ✅ Fachgerechte Montage auf Rittal-Sammelschiene.
- ✅ Phasenfolge kontrollieren.
- ✅ Schutzleiter vollständig anschließen.
- ✅ Selektivität mit LS-Schaltern prüfen.
- ✅ Alle elektrischen Prüfungen dokumentieren.
- ✅ Thermische Belastung im Gehäuse berücksichtigen.
Fazit
Der selektive Hauptleitungsschutzschalter von Rittal bietet hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit – vorausgesetzt, er wird korrekt geplant, montiert und geprüft. Mit der Beachtung dieser sieben häufigen Fehler und den oben genannten Tipps sichern Sie Ihre Installation gegen Ausfälle, Überhitzung und ungewollte Abschaltungen ab. Eine saubere Verdrahtung, präzise Prüfung und regelmäßige Wartung garantieren eine langlebige und sichere Elektroverteilung – ganz im Sinne einer professionellen Industrieinstallation.