Der selektive Hauptleitungsschutzschalter (SLS) ist eine zentrale Komponente in modernen Elektroinstallationen. Er schützt Anlagen vor Überlast und Kurzschluss, ermöglicht eine selektive Abschaltung und ersetzt zunehmend klassische NH-Sicherungen im Vorzählerbereich. In diesem Beitrag erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie einen Siemens SLS korrekt verdrahten, prüfen und sicher in Betrieb nehmen.
Was ist ein selektiver Hauptleitungsschutzschalter (SLS)?
Ein SLS – auch selektiver Leitungsschutzschalter genannt – ist ein spezieller Schalter, der Überstrom erkennt und den betroffenen Stromkreis gezielt abschaltet. Der Begriff „selektiv“ bedeutet, dass nur der direkt betroffene Bereich abgeschaltet wird, während vorgelagerte Anlagenbereiche weiter in Betrieb bleiben. Siemens bietet in seinem SENTRON-Programm eine Vielzahl von SLS-Schaltern (z. B. 5SP3-Serie) an, die durch Zuverlässigkeit, Sicherheit und einfache Montage überzeugen.
Vorbereitung: Sicherheit & Werkzeug
Bevor Sie mit der Verdrahtung beginnen, stellen Sie sicher, dass alle sicherheitsrelevanten Voraussetzungen erfüllt sind:
- Spannungsfreiheit herstellen – vor Beginn der Arbeit vollständig abschalten.
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen (Isolierhandschuhe, Schutzbrille, Werkzeug mit VDE-Zertifizierung).
- Technische Unterlagen des Siemens SLS bereithalten (z. B. Datenblatt, Anschlussplan, Montagehinweise).
- Geeignetes Werkzeug: Drehmomentschlüssel, isolierte Schraubendreher, Abisolierzange, Messgeräte (VDE 0100-600).
1. Planung und Vorbereitung der Verdrahtung
Ein korrekter Aufbau beginnt mit einer strukturierten Planung der Stromlaufwege:
- Den Anschlussbereich nach VDE-AR-N 4100 einrichten.
- Festlegen, ob das System als TN-C oder TN-S ausgeführt wird.
- Leiterquerschnitte anhand der geplanten Stromstärke auswählen (z. B. 10 mm² bis 16 mm² Cu bei 35 A bis 63 A).
- Siemens SLS in den Zählerplatz integrieren, üblicherweise oberhalb des Zählers im Vorzählerfeld.
Empfohlene Siemens-Modelle:
- 5SP3835-2: SLS-Schalter 3x1-polig, E-Charakteristik, 35 A
- 5SP3850-2: SLS-Schalter 3x1-polig, 50 A
- 5SP3863-2: SLS-Schalter 3x1-polig, 63 A
2. Schritt-für-Schritt: Siemens SLS verdrahten
Schritt 1: Leiter vorbereiten
Schneiden Sie die Leitungen auf passende Länge zu und isolieren Sie die Enden ab. Achten Sie auf:
- Saubere, unbeschädigte Leiterenden.
- Verwendung von Aderendhülsen bei flexiblen Leitern.
- Keine zu langen freigelegten Drahtenden.
Schritt 2: Einspeisung anschließen (Netzseite)
Der obere Anschluss des SLS ist für die Netzseite vorgesehen. Schließen Sie die Leiter wie folgt an:
- L1, L2, L3 an den oberen Klemmen anschließen.
- N-Leiter bei Bedarf am vorgesehenen Neutralleiteranschluss verbinden.
- PE-Leiter in die Hauptpotentialausgleichsschiene führen (nicht am SLS direkt anschließen).
- Schrauben mit Drehmoment gemäß Siemens-Datenblatt anziehen (i. d. R. 3–3,5 Nm).
Schritt 3: Abgangsseite verdrahten (Verbraucherseite)
Auf der unteren Seite werden die Abgänge zu den Verbrauchern oder nachfolgenden Verteilungen geführt:
- Phasenfolge beibehalten (L1, L2, L3).
- Abgangsleitungen mit ausreichendem Querschnitt ausführen.
- Neutralleiter (falls vorhanden) korrekt zuordnen und kennzeichnen.
Schritt 4: Sichtprüfung und Kontrolle
- Sind alle Leiter korrekt festgezogen?
- Ist die Phasenfolge korrekt (L1 → L2 → L3)?
- Wurde der Schutzleiter fachgerecht verbunden?
- Sind alle Beschriftungen vorhanden und lesbar?
3. Prüfung des Siemens SLS vor Inbetriebnahme
Nach der Verdrahtung muss der SLS sorgfältig geprüft werden. Diese Prüfungen dienen dem Nachweis der elektrischen Sicherheit und Selektivität.
1. Isolationsprüfung
- Zwischen aktiven Leitern (L1–L3) und PE messen.
- Mindestwert: > 1 MΩ gemäß DIN VDE 0100-600.
2. Schutzleiterprüfung
- Durchgängigkeit zwischen PE-Schiene und metallischen Gehäuseteilen prüfen.
- Übergangswiderstand ≤ 1 Ω.
3. Funktionsprüfung
- Den SLS manuell betätigen – Ein-/Ausschaltvorgang prüfen.
- Spannung mit Messgerät an Ein- und Ausgang kontrollieren.
4. Selektivitätsprüfung
Überprüfen Sie, ob der SLS selektiv gegenüber nachgeschalteten LS-Schaltern arbeitet. Das bedeutet:
- Bei Kurzschluss löst nur der nachgeschaltete LS-Schalter aus.
- Der SLS bleibt eingeschaltet (zeitverzögerte magnetische Auslösung).
- Bei Überlast reagiert der SLS thermisch nach definiertem Kennlinienverhalten (Charakteristik E).
4. Typische Fehler bei der Verdrahtung und Prüfung
- Lose Klemmen: führen zu Erwärmung und Kontaktbrand.
- Falsche Phasenfolge: kann Fehlfunktionen bei Drehstromverbrauchern verursachen.
- Neutralleiter nicht korrekt angeschlossen: erhöht die Brandgefahr.
- Fehlende Schutzleiterverbindung: birgt Lebensgefahr.
- Keine Dokumentation: erschwert spätere Wartung und Fehleranalyse.
5. Tipps für eine saubere Installation
- Verwenden Sie Siemens-Zubehör (z. B. passende Sammelschienen, Abdeckungen und Verriegelungen).
- Markieren Sie alle Phasen und Neutralleiter klar und dauerhaft.
- Verwenden Sie geeignete Kabelkanäle zur strukturierten Leitungsführung.
- Führen Sie nach Abschluss eine Wärmebildkontrolle bei Belastung durch.
Fazit
Ein korrekt installierter Siemens SLS-Schalter gewährleistet Sicherheit, Selektivität und Betriebskontinuität. Durch sorgfältige Verdrahtung, konsequente Prüfung und die Beachtung der Herstellerhinweise stellen Sie sicher, dass Ihre Elektroinstallation den VDE-Normen entspricht und langfristig störungsfrei arbeitet. Planen Sie sorgfältig, dokumentieren Sie Ihre Arbeit – und verlassen Sie sich auf die bewährte Qualität von Siemens.